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Anreise/Anfahrt

Bilder der Person

Foto Gustav Krupp von Bohlen und Halbach

Gustav Krupp von Bohlen und Halbach

Geboren am 07.08.1870 in Den Haag
Gestorben am 16.01.1950 in Blühnbach, Österreich
Beruf(/-e):

Industrieller


Ehrenbürger: Nein

Vita

Gustav Krupp von Bohlen und Halbach wurde am 7. August 1870 in Den Haag als Sohn des deutschen Diplomatens Gustav Halbach (1831 – 1890) und seiner Frau Sophie (geb. von Bohlen, 1837-1915) geboren. Trotz seiner adeligen Herkunft wuchs Gustav unter bescheidenen Verhältnissen auf. Seine Familie stammte aus einer kleinindustriellen Unternehmerschicht im Bergischen Land; auch in den Vereinigten Staaten hatte die Familie einige kleinere Unternehmen aufgebaut. So gehörten Kaufleute, Diplomaten und Generale aus dem amerikanischen Bürgerkrieg zu Gustavs Vorfahren.[1]

In Karlsruhe besuchte er das Gymnasium. Anschließend studierte er Rechts- und Staatswissenschaften in Lausanne, Straßburg und Heidelberg. 1893 promovierte er an der Universität in Heidelberg zum Juristen und trat in den badischen Staatsdienst ein. Vier Jahre später nahm er eine Stelle im Auswärtige Amt in Berlin an. Im Jahr 1899 ging er als Legationssekretär zur Botschaft nach Washington D.C. und anschließend nach Peking. Nachdem er 1904 zum Legationsrat ernannt wurde und bei der preußischen Gesandtschaft des Vatikans in Rom als Sekretär tätig war, lernte er dort Bertha Krupp kennen. Am 31. Mai 1906 verlobten sie sich und am 15. Oktober fand die Hochzeit statt. Mit der Hochzeit im Herbst 1906 wurde dem Paar von Kaiser Wilhelm II. erlaubt, den Namen „Krupp“ zu führen und auch ihr erstgeborenes Kind sollte den Nachnamen bekommen. Die Ehe war kinderreich; schon im Jahr 1907 wird ihr Sohn und der spätere Erbe des Krupp Konzerns, Alfried geboren. Ein Jahr darauf folgte die Geburt ihres Sohnes Arnold, der jedoch 1909 verstarb. Danach wurden Claus (1909-1940), Irmgard (1912-1998), Berthold (1913-1987), Harald (1916-1985), Waldtraut (1920-2005) und Eckbert (1922-1945) geboren. Gustav Krupp von Bohlen und Halbach erzog seine Kinder nach strengen Regeln. Disziplin gehörte zu einer seiner Prioritäten. Von seiner Enkelin Diana Maria Friz wird berichtet: „Keines der Kinder, die auf dem Hügel aufgewachsen waren, war fähig über seine Gefühle zu reden.“[2]

Da Bertha Krupp die Alleinerbin des Krupp Unternehmens war, wurde Gustav Krupp von Bohlen und Halbach in den Aufsichtsrat der Firma eingesetzt und übernahm 1909 die Führung. Unter der Leitung von Gustav Krupp von Bohlen und Halbach erlebte das Unternehmen zunächst einen Aufschwung. Die Stahlqualität der traditionellen Produkte sollten verbessert werden. Da es eine ansteigende Nachfrage in verschieden Produktionsbereichen, wie zum Beispiel der Verarbeitung von Eisbahnmaterial, gab und sich das Unternehmen nun nicht nur auf die Produktion von Rüstungsmaterialien konzentrierte, expandierte das Krupp’sche Unternehmen bis 1914. Bis zum Ersten Weltkrieg wuchs das Unternehmen zu einem der größten Stahlhersteller und Privatunternehmen Europas. Auch die Lieferungen ins Ausland erhöhten sich, doch nach Beginn des Weltkriegs wurden die internationalen Geschäfte zum Erliegen gebracht. Zudem wuchs die Konkurrenz im Ausland. Frankreich und England entwickelten nun ebenfalls Waren in vergleichbarer Qualität zu den Krupp-Produktionen. Auslandslieferungen wurden mit Beginn des Krieges gestoppt und Gustav Krupp von Bohlen und Halbach stellte die Produktion hauptsächlich auf die Herstellung von Rüstungsmaterialien um.

Trotz der Ausmaße des Krieges schaffte es Gustav Krupp von Bohlen und Halbach, den Krupp’schen Ruhm zu festigen. Mit der Herstellung des Geschützes mit dem Namen „Dicke Bertha“ kreierte das Unternehmen eine der für den Ersten Weltkrieg bekanntesten Waffen. Im Verlauf des Krieges setzte Gustav vermehrt auf Massenproduktion und konzentrierte sich nun gezielt auf die Herstellung von Rüstungsgütern. Zu Kriegsende beschäftigte er in der Gussstahlfabrik ca. 25.000 Frauen, was bisher für das Unternehmen unüblich war. Insgesamt waren 1918 ungefähr 117.000 im Krupp’schen Unternehmen beschäftigt. In Folge dessen wurde es schwieriger für den Konzern, sein soziales Engagement für die Arbeiter beizubehalten. Da in Deutschland während des Krieges Hungersnot herrschte, sorgte das Krupp-Unternehmen zwar so gut es ging dafür, dass die Kruppianer unterstützt wurden und ihnen Verpflegung zur Verfügung stand. Dennoch kam es aufgrund der schlechten Ernährungslage im Februar 1917 zu dem ersten Streik in der Unternehmensgeschichte. Demnach zeigte sich, dass der Krieg nicht nur Erfolge für das Unternehmen mit sich brachte. Im Gegenteil: die „Friedrich Krupp AG“ machte in den vier Kriegsjahren im Vergleich zu anderen Großunternehmen deutlich weniger Gewinn.[3]

Es dauerte einige Jahre bis sich das Unternehmen vom Krieg erholte, denn nach Kriegsende rutschte die „Friedrich Krupp AG“ in eine weitere Krise. Während Deutschland den Krieg verloren hatte, das Reich eine Revolution verlangte und Kaiser Wilhelm II. ins Exil floh, wurden beim Krupp’schen Unternehmen alle Aufträge storniert. So musste Gustav von Bohlen und Halbach zum ersten Mal in der Geschichte die Krupp-Werke stilllegen lassen. Eine Umstellung der Produktion war nötig, doch die Umstellungskosten und gleichzeitig auch die laufenden Personalkosten waren zu hoch. Gustav verkündete im Dezember 1918, dass man den Arbeitern eine Abfindung zahlen sollte und so verließen mehr als 50.000 Arbeiter die Stadt.[4]

Dennoch dauerten die Verluste an und Gustav Krupp von Bohlen und Halbach war gezwungen, die Zahl der Arbeiter erneut zu verringern. So wurde die Zahl der Arbeiter von 71.000 auf 46.000 reduziert. Zudem wurden einige kleinere Betriebe stillgelegt und es sollte wieder der Fokus auf der Stahlerzeugung liegen. Damit schaffte es Gustav einen minimalen Erfolg für den Konzern zu erzeugen. Doch die Schwierigkeiten häuften sich weiterhin als 1929 die Weltwirtschaftskrise eintrat.[5]

Im Jahr 1933 erlebte das Unternehmen dann erneut einen Aufschwung, welcher mit der Verbindung zu Hitler und der national-sozialistischen Partei im Zusammenhang stand. Ein weiteres Mal wurde das Krupp-Unternehmen für die Rüstungsherstellung des Zweiten Weltkriegs eingesetzt, welche jedoch im Vergleich zum Ersten Weltkrieg viel niedriger war. Gustav Krupp von Bohlen und Halbach hatte aus gesundheitlichen Gründen schon zum Ende des Zweiten Weltkrieges die Firmenleitung seinem ältesten Sohn Alfried übergeben, der das Unternehmen 1943 in eine Einzelfirma (Lex Krupp)[6] umwandelte.

Mit seiner Frau zog sich Gustav Krupp von Bohlen und Halbach nun zurück und verbrachte seine Zeit vermehrt in Blühnbach, Österreich. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er 1945 vom Internationalen Militärgerichtshof als Hauptkriegsverbrecher angeklagt, doch sein Zustand machte ihn verhandlungsunfähig. Er hatte im Jahr zuvor einen Autounfall sowie mehrere Schlaganfälle erlitten. Daher stand sein Sohn Alfried, als Nachfolger des Unternehmens, vor Gericht.

Am 16. Januar 1950 verstarb Gustav Krupp von Bohlen und Halbach in Schloss Blühnbach in Österreich. Zunächst wurde er auf dem Familiengrab der von Bohlen und Halbachs beerdigt. Nach dem Tod seiner Frau Bertha wurde seinen Überreste jedoch auf den Familienfriedhof der Krupps am Friedhof Bredeney überführt. Die Zeit nach seinem Tod wurde für die Familie zu einer schwierigen Zeit, da die Villa Hügel von den Alliierten beschlagnahmt wurde und der dritte Sohn von Gustav und Bertha, Harald von Bohlen und Halbach, in der Sowjetischunion als Kriegsgefangener gehalten wurde. Zudem befand sich Alfried in der Haftanstalt Landsberg. Daher ist von einer Trauerfeier Gustav Krupp von Bohlen und Halbachs kaum etwas überliefert.

Gustav Krupp von Bohlen und Halbach war vor allem für seine Pünktlichkeit und Disziplin bekannt. Als Leiter des größten Konzerns Europas bewahrte er immer eine Kühle und Unnahbarkeit. Ihm war ein geregelter Tagesablauf sehr wichtig, welches er auch seiner Familie aufzwang. So beschreibt eine Anekdote „die minutiös geplanten Geschäftsessen, bei denen derjenige, der hinter dem Speisetempo des Hausherrn bleibt, den noch halbvollen Teller von Dienern weggerissen bekommt; der nächste Gang kann schließlich nicht warten.“[7]

In Essen-Fulerum, an der Grenze zur Margarethenhöhe, steht noch heute der Halbachhammer, welcher von Gustav Krupp von Bohlen und Halbach aus Weidenau an der Sieg nach Essen versetzt und der Stadt geschenkt wurde. Heute ist der Halbachhammer ein Denkmal und Teil des Ruhr Museums.

Fußnoten:

[1] Stenglein S.102

[2] in Stenglein S.105

[3] Stenglein S.108-118

[4] Stenglein S.124

[5] Köhne-Lindenlaub S.140

[6] war ein von Adolf Hitler am 12. November 1943 erlassenes Reichsgesetz, das die Friedrich Krupp AG von einer Kapitalgesellschaft in eine Personengesellschaft mit besonders geregelter Nachfolge umwandelte

[7] Stenglein, S.104

Literatur

• Stenglein, Frank: Krupp - Höhen und Tiefen eines Industrieunternehmens, München/Düsseldorf 1998

• Friz, Diana Maria: Bertha und ihre Kinder – Das Leben meiner Großmutter: Alleinerbin eines Imperiums, München 2012

• Köhne-Lindenlaub, Renate: Die Familie Krupp – 5 Unternehmensgenerationen 1811-1967, Sonderdruck aus Neue Deutsche Biographie, Berlin 1982

Internetquellen

Deutsches Historisches Museum

Grab

Ehrengrab: Nein
Friedhof: Friedhof Bredeney