Skip to the navigation Skip to the content

Anreise/Anfahrt

Bilder der Person

Foto Wilhelm Erich Julius Leberrecht Erdmann Zweigert

Wilhelm Erich Julius Lebrecht Erdmann Zweigert

Geboren am 25.02.1849 in Neustettin/Pommern
Gestorben am 27.05.1906 in Essen
Beruf(/-e):

Oberbürgermeister der Stadt Essen, Amtsrichter


Ehrenbürger: Nein

Vita

Wilhelm Erich Julius Lebrecht Erdmann Zweigert[1] wurde am 25. Februar 1849 in Neustettin in Pommern als Sohn des Appellationsgerichtspräsidenten Wilhelm Zweigert und Julie Zweigert, geborene Kindorff, geboren.[2] Den ersten Schulunterricht bekam Erich Zweigert in der Bürgerschule zu Belgard in Pommern. Durch die vielen Versetzungen seines Vaters kam er häufig herum und endete im Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Berlin, wo er 1869 sein Abitur absolvierte.[3] Es enthielt allerdings auch die vielen Schulversäumnisse, welche aufgrund der nie besonders festen Gesundheit entstanden.[4] Hiernach studierte er Rechtswissenschaften zuerst in Halle-Wittenberg, danach in Berlin und dann mit seinem Bruder Arthur Zweigert in Heidelberg. Als er 1870 als untauglich für den Krieg gegen Frankreich befunden wurde, bezog er im selben Jahr wieder die bereits besuchte Universität in Berlin,[5] welche er bis zur ersten juristischen Prüfung besuchte, deren Abschlussthema „Wesen und Wirkung der vis major“[6] lautete. Nach Verlängerung der Abgabefrist legte Erich Zweigert am 09. November 1872 sein Referendarexamen ab.[7] Seine vierjährige Referendarzeit fand in Arnsberg unter der Aufsicht des eigenen Vaters als Appellationsgerichtspräsidenten statt.[8] In dieser Zeit vertrat er im Sommer 1875 während der Gerichtsferien den Rechtsanwalt Heyland in Iserlohn in dessen Praxis.[9] Nach dieser Zeit legte Erich Zweigert 1877 die große Staatsprüfung ab und wurde im September des gleichen Jahres Gerichtsassessor.[10] Nach vielen verschiedenen Stationen als Hilfs- oder Kreisrichter wurde er am 01. Oktober 1879 zum Amtsrichter in Potsdam ernannt.[11]

Im Oktober 1880 verfolgte Erich Zweigert seinen Wunsch nach einer Veränderung seines Wirkungsfeldes und wurde zum Ersten Bürgermeister der Stadt Guben ernannt.[12] Sechs Jahre später wechselte er dann die Position und die Stadt. So wurde er zum Oberbürgermeister der Stadt Essen. Seinen Städtewechsel kann man darauf schließen, dass „[…] Zweigert […] sich gehemmt durch die preußische Magistratsverfassung [fühlte], die ihm kaum Einfluß auf die Stadtverordneten gab und ihn unter den stimmberechtigten Beigeordneten zum primus inter pares machte.“[13] So kam es, dass Erich Zweigert, trotz fehlender Zeugnisse und Anlagen in der Bewerbung, von allen 30 Stadtverordneten und vom Vorsteher als Nachfolger des verstorbenen Oberbürgermeisters Gustav Hache gewählt wurde.[14]

In seiner Amtszeit vollbrachte Erich Zweigert den Schritt für Essen zur Großsiedlung. Er hatte zwar viel Glück in seinen Amtszeiten, einen Wirtschaftsaufstieg zu ge- nießen, aber trotzdem verfolgte er immer sein Ziel, „[…] die engen Grenzen des Stadtbezirkes zu spren- gen“[15] und eine einheitliche, kommunale Leitung zu schaffen, so dass er Essen die Tür zur Großsiedlung geöffnet hat. Erich Zweigert konnte dies auch dadurch schaffen, dass er an der Entstehung der Emschergenossenschaft und auch des Ruhrtalsperren- vereins maßgeblich beeinflusst war.[16] Des Weiteren hatte er einen „[…] Weitblick, mit dem er alle Dinge, die das öffentliche Wohl berührten, rechtzeitig erkannte“[17] und durchsetzte. Um sein Amt ausüben zu können, kamen ihm seine Redner- und Darstellungsgabe und seine vollkommene Loyalität zugute.[18] Sobald er eine Aufgabe angefangen hatte, skizzierte er Niederschriften und Ausarbeitungen in einem erschöpfenden Arbeitsquantum, so dass ihm dies auf die Gesundheit schlug.[19] Eine solche Aufgabe bildeten unter anderem die Wohnungsverhältnisse. Erich Zweigert richtete hier als erster deutscher Bürgermeister in Essen 1899 eine Wohnungsinspektion ein.[20] Des Weiteren schaffte er in diesem Gebiet die Hinterhäuser und Mietskasernen ab und erreichte einen zum größten Teil einheitlichen Flachbau.[21] So schaffte er durch eine aktive, kommunale Bodenpolitik eine zweckmäßige Besiedelung. Auf Erich Zweigerts Antrag hin wurde auch der Stadtgarten auf 30 Morgen vergrößert[22] und ein Essener Elektrizitätswerk[23] gebaut.

Aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes musste Erich Zweigert sein Pensionsgesuch am 04. April 1906 – fast 20 Jahre nach seinem Antritt als Oberbürgermeister - einreichen.[24] Durch seine unvergesslichen Dienste für die Stadt verliehen ihm die Stadtverordneten das Ehrenbürgerrecht. Neben dieser Ehrung bekam er noch weitere, wie beispielsweise den königlichen Kronen-Orden II.-Klasse. Neben seiner Tätigkeit als Oberbürgermeister war Erich Zweigert auch Mitglied des Herrenhauses und des Rheinischen Provinziallandtages.

Am 27. Mai 1906 starb er schließlich in Essen und wurde auf dem Ostfriedhof beigesetzt. Sein Grabstein ist in der Nähe seines Oberbürgermeistervorgängers zu finden. Mit ihm befindet sich noch seine Frau Therese an diesem Platz beerdigt, welche mit Erich Zweigert einen Grabstein mit der Aufschrift „Unsere leiben Eltern“ besitzt. Sein Grabstein – er besitzt einen extra Grabstein als Ehrung und Dank der Stadt alleine – und der des Paares sind beide rechteckig und weisen leichte Witterungsrückstände auf, sind aber ansonsten vollständig intakt. Als Erinnerung an diesen Mann dienen viele Orte innerhalb von Essen, die seinen Namen tragen. Seit 1907 gibt es unter anderem die Zweigertstraße in Rüttenscheid. Im Jahre 1909 stellten Freunde für ihn einen Gedenkstein im Stadtwald auf,[25] welcher an seine Bemühungen für die Stadt Essen erinnern soll. Ein weiteres Beispiel ist die Zweigertbrücke in Altenessen Nord, welche wie die andren Beispiele das Wirken Zweigerts in Essen veranschaulicht.[26]

Gerstein, sein Nachfolger der Genossenschaft, sagte einst über ihn: „Seiner Vielseitigkeit, seiner Energie, seiner Geschäftsgewandtheit und rastlosen Arbeit gelang es unter Überwindung größter Schwierigkeiten, die Aufstellung eines einheitlichen Projektes herbeizuführen, den Erlaß eines besonderen Gesetzes zu bewirken und unsere Genossenschaft zu begründen. Er hatte die Genugtuung, an der Spitze unseres Vorstandes sich überzeugen zu können, daß das Unternehmen, das er mit Stolz sein eigenstes Werk nannte und dem er seine besondere Liebe und Arbeit bis zum letzten Atemzug gewidmet hat, nunmehr gesichert ist. Ihm werden die Eingesessenen des rheinisch-westfälischen Industriebezirks, Städte, Kreise und Gemeinden, Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft für alle Zeiten innigste Dankbarkeit bewahren.“[27]Allein Dieses Zitat sagt schon alles aus, warum Erich Zweigert unbedingt in der List der bedeutenden Persönlichkeiten in Essen aufgelistet werden muss.

Fußnoten:

[1] Erwin Dickhoff: Essener Köpfe - Wer war was?, Essen 1985, S. 258

[2] Schröder, Ernst: Erich Zweigerts Lehr und Wanderjahre – neue Beiträge zu seiner Biographie, In: Schmidt: Essener Persönlichkeiten: biographische Aufsätze zur Essener Verwaltungs- und Kulturgeschichte. Schmidt-Verlag, Neustadt/Aisch 1986, S. 6

[3] Schröder 1986, S.7

[4] Schröder 1986, S. 8

[5] Schröder 1986, S. 6f.

[6] Schröder 1986, S.11

[7] Schröder 1986, S. 11

[8] Schröder 1986, S. 12

[9] Schröder 1986, S. 12

[10] Schröder 1986, S. 5

[11] Schröder 1986, S. 13

[12] Dickhoff 1985, S. 258

[13] Schröder 1986, S. 15

[14] Schröder 1986, S. 17

[15] Paul Brandi: Der Aufstieg der Stadt Essen zur Industriemetropole – eine Erinnerung an Oberbürgermeister Erich Zweigert,, In: Beiträge zur Geschichte Essens (60.), 1840, S. 244

[16] Brandi 1840, S. 245

[17] Brandi 1840, S. 247

[18] Brandi 1840, S. 248

[19] Brandi 1840, S. 251

[20] Brandi 1840, S. 253

[21] Brandi 1840, S. 255

[22] Brandi 1840, S. 261

[23] Brandi 1840, S. 267 und 269f.

[24] Dickhoff 1985, S. 258

[25] Schröder 1986, S. 5

[26] Dickhoff 1985, S. 258

[27] Brandi 1840, S. 287

Literatur

• Dickhoff, Erwin: Essener Köpfe – Wer war was?, Essen 1985, S. 258.

• Brandi, Paul: Der Aufstieg der Stadt Essen zur Industriemetropole – eine Erinnerung an Oberbürgermeister Erich Zweigert,, In: Beiträge zur Geschichte Essens (60.), 1840, S. 239-294.

• Schröder, Ernst: Erich Zweigerts Lehr und Wanderjahre – neue Beiträge zu seiner Biographie, In: Schmidt: Essener Persönlichkeiten: biographische Aufsätze zur Essener Verwaltungs- und Kulturgeschichte. Schmidt-Verlag, Neustadt/Aisch 1986, S. 5-17.

Grab

Ehrengrab: Nein
Friedhof: Ostfriedhof