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Anreise/Anfahrt

Bilder der Person

Foto Edmund Lührmann

Edmund Lührmann

Geboren am 15.02.1845 in Essen
Gestorben am 23.02.1909 in Buenos Aires
Beruf(/-e):

Kaufmann, Stifter


Ehrenbürger: Nein

Vita

Edmund Lührmann wurde am 15. Februar 1845, als Sohn eines Gewerken in Essen geboren. Über seinen Werdegang und sein Berufsleben ist wenig bekannt. Lührmann arbeitete bis zum Rentenalter als Kaufmann in Essen und Berlin und lebte bis 1907 in Werningrode im Harz. Er war mit Marie Lührmann geb. Boye (*18.Juli 1854; †9. Januar 1937) verheiratet. Aus der Ehe gingen zwei Söhne und eine Tochter (Helene, *1885; †1907) hervor.[1]

Lührmann war ein großer Stifter und Mäzen der Stadt Essen. Auch wenn er viele Jahre außerhalb des Stadtgebietes verbrachte, war er seiner Vaterstadt immer eng verbunden. Die erste von ihm gegründete Stiftung sollte zum Andenken an seinen verstorbenen Vater Eduard Lührmann (†24. November 1887) und seine verstorbene Mutter Alwine Lührmann geb. Scheidt (†21. Februar 1893) „Eduard-Lührmann-Stiftung“ heißen. Lührmann überwies der Stadt Essen am 14. März 1893 eine Summe von 30.000 Mark, mit der Vorgabe die Erträge für die Gründung der Eduard-Lührmann-Stiftung zugunsten von Kindern aus dem evangelischen Waisenhaus sowie der städtischen Anstalt für verwahrloste Kinder zu verwenden. Am 23. November 1894 spendete er weitere 70.000 Mark, die an denselben Zweck gebunden waren.[2]

Am 25. März 1903 stockte Lührmann das Stiftungskapital um weitere 150.000 Mark auf und änderte, auf Empfehlung der Stadtverwaltung, den Stiftungszweck und Namen. In der vom Rat der Stadt Essen verabschiedeten Satzung der „Lührmann-Stiftung“ wird die Stadt verpflichtet die 250.000 Mark für den Bau und die Unterhaltung einer Kranken- und Heilanstalt, nebst einem Erholungsheim für Nervenkranke, zu verwenden. Am 28. Februar 1905 wurde auf dem ehemaligen Stenshof in Rüttenscheid[3] im Beisein des Stifters der Grundstein gelegt. Das Erholungsheim, inmitten eines 20 Morgen großen Wald-, Feld- und Wiesengeländes gelegen, konnte am 16. Juli 1907 seiner Bestimmung übergeben werden. Damit war Essen neben Berlin die einzige Stadt mit einer speziellen Einrichtung für psychisch Kranke.[4] (Abb.2 Erholungsheim)

Ebenfalls im Jahr 1907 verstarb Lührmanns Tochter Helene Girardet (geb. Lührmann), was er zum Anlass nahm eine weitere Stiftung, die „Helenenstiftung“, zu gründen. Die Stiftung von 15.000 Mark war ebenfalls in Essen beheimatet und finanzierte unter anderem das „Helenenzimmer“ in dem neuen Erholungsheim. Außerdem überschrieb er, anlässlich seines 25. Hochzeitstages, seine Villa in Werningerode (Wert ca. 110.000 Mark) der Stadt Essen, damit diese dort ein Kurhaus einrichtete und verpachtete. Die Erträge sollten wieder an das Erholungsheim für Nervenkranke gehen. Dasselbe galt für die Übereignung von Aktien im Wert von 72.000 Mark mit Dividendenscheinen im Wert von 100.000 Mark (Stand 1. Januar 1908).[5]

Zum Zeitpunkt der Schenkungen des Jahres 1907 befand sich Lührmann „allein und heimatlos“ im Hotel „Royal“ in Hannover. In einem Brief an den Oberbürgermeister der Stadt Essen, in dem die Stiftungsanweisungen erläutert wurden, beteuerte Lührmann seine Verbundenheit mit der „teuren Vaterstadt“ und erklärte den Grundsatz: „Gutes tun und nicht müde werden“ zu seiner Leitmaxime.[6] In der Folgezeit reiste Lührmann als „Globetrotter“ durch die Welt und brach im Jahr 1909 zu seiner letzten großen Schiffsreise nach Buenos Aires auf. Hier erlitt er einen „Herzschlag“ und starb am 22. Februar 1909 fernab der Heimat.[7]

Auf den letzten Wunsch des Verstorbenen hin wurde er verbrannt und seine Asche in die Heimatstadt Essen überführt. Die Beisetzung fand unter großer Anteilnahme am 19. April 1909 auf dem alten Friedhof am Kettwiger Tor statt. Anwesend waren unter anderem seine Söhne, Oberbürgermeister Holle, einige Stadtverordnete und der Männergesangsverein, dessen Ehrenmitglied Lührmann war. Bürgermeister Holle würdigte Lührmanns Leistungen für die Stadt Essen und legte einen Kranz mit der Widmung: „Dem treuen Sohne und Wohltäter seiner Vaterstadt“ nieder. Am Ende widmete der Männergesangsverein Edmund Lührmann das Lied: „Über den Sternen wird er einst tagen“, wonach sich die Beerdigungsgesellschaft auflöste.[8] Doch bereits in einem Nachruf vom 24. Februar 1909, von der Pflegschaft der Lührmann-Stiftung und dem Oberbürgermeisters geschaltet, heißt es: „Sein Andenken wird in seinen Stiftungen weiterleben“.[9] (Abb.3 Grabmal Edmund Lührmann-Ostfriedhof)

Bis zum ersten Weltkrieg standen die Stiftungen finanziell auf sicheren Füßen und der Betrieb des Erholungsheims verlief, unter der Leitung von Dr. Fels, reibungslos. Ab 1915 musste es jedoch zunächst als Reserve-Lazarett für Verwundete herhalten und nach dem Krieg, auf Grund inflationsbedingter finanzieller Probleme, an den Knappschaftsverein vermietet werden. Dieser leistete ganz im Sinne Lührmanns ebenfalls Hilfe für psychisch kranke Menschen und benannte das am 1. Juli 1921 eröffnete Nervenkrankenhaus nach ihm. Nach dem dieser Vertrag abgelaufen war, mietete 1933 das rote Kreuz das Gebäude als Wohnhaus für die Schwesternschülerinnen und nannte es „Schwesternhaus Lührmannstift“. Durch schwere Bombenangriffe im Jahr 1944 wurde das Haus soweit zerstört, dass sich ein Wiederaufbau nicht mehr lohnte und es aufgegeben werden musste. Der Rat der Stadt Essen beschloss am 15. Dezember 1955 die Aufhebung der Stiftungssatzung, rückwirkend zum 26. Juni 1948, wodurch die Stiftung nicht mehr an das Gebäude gebunden war.[10]

Das Stiftungsvermögen wurde im Sinne Edmund Lührmanns für den Wiederaufbau und die Unterhaltung der zerstörten neurologischen Abteilung der Nervenklinik der Städtischen Krankenanstalten, aus denen 1963 das Universitätsklinikum Essen hervorging, genutzt.

Zudem wurde bereits 1955 bestimmt, dass das ehemalige Gebäude am Külshammerweg 40 für alle Zeiten den Namen Edmund-Lührmann-Stiftung tragen solle, um so an den edlen Stifter der Stadt zu erinnern.[11] Heute findet man noch zwei Straßen in Essen Rüttenscheid, die den Namen Lührmann tragen. Zum einen eine Verlängerung des Külshammerweg, die „Lührmannwald“ genannt wurde. Zum anderen die Lührmannstraße (ehemals Reinhardstraße), die die erst genannten kreuzt und quer durch den Grugapark verläuft.[12]

Fußnoten:

[1] Dickhoff, Erwin: Essener Köpfe. Wer war was?, Essen 1985, S.157. / Holzborn, Rainer Michael: Zur Geschichte der psychiatrischen Anstalten in Essen, in: Essener Beiträge Band 88a (1973), S. 87

[2] Holzborn: Essen, S. 86. / Stadtarchiv Essen: HdEG:DZA915,4: Neue Lührmannstiftung, in: Essener Volkszeitung Nr.40 (26. Oktober 1907)

[3] Heute: Külshammerweg 40, nahe dem Grugapark und der Universitätskliniken.

[4] Holzborn: Essen, S. 86/87.

[5] Holzborn: Essen, S. 87/88. / Stadtarchiv Essen: HdEG:DZA915,4: Neue Lührmannstiftung,.

[6] Stadtarchiv Essen: HdEG:DZA 915,4: Neue Lührmannstiftung.

[7] Holzborn: Essen, S. 88.

[8] Stadtarchiv Essen: HdEG:DZA 915,4: Beisetzung des verstorbenen Rentners Edmund Lührmann, in: Essener Volkszeitung Nr.42 (20.April 1909).

[9] Stadtarchiv Essen: HdEG:DZA 915,4: Beisetzung Edmund Lührmann.

[10] Holzborn: Essen, S. 92-95. / Stadtarchiv Essen: HdEG:DZF 100: Satzung betr. Edmund-Lührmann- Stiftung, in: Amtsblatt der Stadt Essen Nr.14 (1955).

[11] Stadtarchiv Essen: HdEG:DZF 100: Satzung betr. Edmund-Lührmann-Stiftung .

[12] Dickhoff, Erwin: Essener Straßen. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, Essen 1979, S. 183

Literatur

• Dickhoff, Erwin: Essener Straßen. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, Essen 1979, S.183.

• Dickhoff, Erwin: Essener Köpfe. Wer war was?, Essen 1985, S.157.

• Holzborn, Rainer Michael: Zur Geschichte der psychiatrischen Anstalten in Essen, in: Essener Beiträge Band 88a (1973), S. 59-95.

Quellen

• Stadtarchiv Essen: HdEG:DZA915,4: Neue Lührmannstiftung, in: Essener Volkszeitung Nr. 40 (26. Oktober 1907)

• Stadtarchiv Essen: HdEG:DZA 915,4: Beisetzung des verstorbenen Rentners Edmund Lührmann, in: Essener Volkszeitung Nr. 42 (20.April 1909).

• Stadtarchiv Essen: HdEG:DZF 100: Satzung betr. Edmund-Lührmann-Stiftung, in: Amtsblatt der Stadt Essen Nr.14 (1955).

Grab

Ehrengrab: Nein
Friedhof: Ostfriedhof